Der Abstract

Der Abstract (oder zu deutsch: Die Kurzfassung) ist die Visitenkarte eines wissenschaftlichen Artikels. Neben dem Titel, den Name in der Autoren und einigen Schlüsselwörtern ist er oft die einzig öffentlich und frei zugängliche Informationen über einen wissenschaftlichen Artikel. Da der Zugriff auf den Volltext des Artikels oft kostenpflichtig oder zumindest mit Mehraufwand verbunden ist, muss einem potentiellen Lesenden mit dem Abstract die Relevanz des Artikels vermittelt werden. Es muss klar werden, warum es der Artikel wert ist, gelesen zu werden.

Der Abstract steht zu Beginn jedes Artikels, sollte aber als letztes geschrieben werden – deshalb wird er hier am Ende des Kapitels über die Strukturierung eines wissenschaftlichen Arbeit diskutiert. Der Abstract ist hinsichtlich seines Inhalts nicht als Teil des Artikels zu betrachten, sondern muss unabhängig von diesem stehen können. Er sollte die wesentlichen Inhalte des Artikels in Kurzform darstellen, also die Zielsetzung, die Vorgehensweise und die Kernerkenntnisse vorwegnehmen. Auch wenn der Abstract dadurch gewissermaßen die Spannung aus dem eigentlichen Artikel nimmt, muss letzterer ebenfalls vollständig für sich stehen können. In der Einleitung darf nicht auf Argumentationen im Abstract Bezug genommen werden, die Einleitung muss das Thema des Artikels von Grund auf aufrollen. Aus diesen Ansprüchen ergibt sich, dass der Abstract idealerweise als letzter Teil eines Artikels geschrieben wird – dann, wenn die Argumentation des eigentlichen Artikels vollständig und in sich abgeschlossen ist und sowohl Ziel, Vorgehensweise und Ergebnisse fertig beschrieben sind.

Inhalt

Der Abstract enthält auf jeden Fall das Thema des Artikels, seine Zielsetzung, die Vorgehensweise bei der Bearbeitung des selben, und letztendlich die wesentlichen Ergebnisse des Artikels. Der Text sollte dabei nicht wörtlich aus dem Eigentlichen Artikel übernommen werden, sondern in Anbetracht der notwendigen Kürze und Kompaktheit neu formuliert werden. Dies ist insbesondere auch wichtig, weil im Abstract üblicherweise keine Literaturreferenzen angegeben werden. Aussagen, die eines Belegs bedürfen, sollten deshalb vermieden werden.

Bei in deutscher Sprache verfassten Artikeln ist es oft üblich, zusätzlich zur deutschen Kurzfassung auch noch einen englischen Abstract zu formulieren, damit zumindest die Existenz der gegenständlichen Forschungsarbeit in der internationalen Forschergemeinschaft rezipiert werden kann.

Je nach Publikationsart ist ein Abstract unterschiedlich lang – bei kürzeren wissenschaftlichen Artikeln ist der Abstract nicht länger als ein kurzer Absatz, bei umfangreicheren Zeitschriftenartikeln enthält er 200-300 Wörter, was je nach Formatierung etwa einer halben Seite entspricht. Bei längeren Arbeiten wie Dissertationen oder Masterarbeiten ist der Abstract entsprechend dem höheren Gesamtumfang etwas länger, übersteigt aber selten eine Länge von einer Seite. In Monographien oder Lehrbüchern gibt es im Normalfall keinen Abstract, da diesen keine einzelne Forschungsfrage zugrunde liegt, die auf den Punkt gebracht zusammengefasst werden könnte. In Sammelwerken erhält oft jeder Teilartikel einen eigenen Abstract, da diese in ihrer Aufbereitung oft Zeitschriftenartikeln ähneln.

Beispiel

Im folgenden wird anhand des Abstracts des Artikels

Oppl, S. (2015). Articulation of subject-oriented business process models. Proc. Of S-BPM One 2015, 1–11. http://doi.org/10.1145/2723839.2723841

gezeigt, wie der Abstract eines Konferenzartikels beispielhaft strukturiert werden kann:

Im ersten Satz wird das Thema, hier das Erheben von Wissen über Geschäftsprozesse, umrissen.

Business process elicitation needs to capture, document, and share the expertise and experiences develop over time by the involved workers.

Danach wird die Zielsetzung des Papers beschrieben. Dies ist so formuliert, dass klar wird, womit sich der Artikel im Detail beschäftigt.

This paper presents an approach for elicitation of subject-oriented business process models from operatively involved people, who are not expert modelers. The approach facilitates individual articulation and collaborative consolidation of work knowledge.

Die folgenden Sätze detaillieren die Vorgehensweise bei der Erreichung des Ziels. Da es sich bei dem betrachteten Artikel um eine Beschreibung eines prototypisch umgesetzten Systems handelt, fokussiert dieser Teil auf die entwickelten methodischen und technischen Komponenten.

An instrument based on physical structure elaboration techniques is introduced to represent procedural knowledge in conceptual models of collaborative work. These physical models are captured digitally and transformed to syntactically correct S-BPM models. Capturing is supported by interactive tools, which allow to correct syntactic errors. Semantic completeness of the models is archived by interactive refinement during simulated enactment using a process validation engine.

Abschließend geht der Abstract darauf ein, was die Ergebnisse des Forschungsprozesses waren, über den im Artikel berichtet wird. Im Beispiel wird dazu ausgeführt, dass die Umsetzbarkeit des vorgeschlagenen Ansatzes anhand von Fallstudien gezeigt werden konnte und dass Anforderungen an weitergehende Unterstützungsmaßnahmen abgeleitet werden konnten.

The paper shows the feasibility of the approach in two case studies and identifies requirements on interactive guidance during model capturing and interpretation.

Wie immer gilt auch für dieses Beispiel, dass es nicht die einzige Möglichkeit zur Strukturierung eines Abstracts darstellt. Es stellt auch nicht den Anspruch, besonders gut formuliert zu sein, zeigt aber anschaulich die unterschiedlichen Inhalte, die mit einem Abstract abgedeckt werden müssen.