Exzerpieren

Unter „Exzerpieren“ versteht man das zielgerichtete Zusammenfassen eines wissenschaftlichen Textes. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Betonung des Wortes „zielgerichtet“. Jeder wissenschaftliche Artikel enthält mit dem Abstract bereits eine Zusammenfassung, die grundsätzlich zur Charakterisierung des Artikels herangezogen werden kann. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Abstract exakt jene Information enthält, die im Zusammenhang mit der Fragestellung relevant ist. Das Exzerpieren hat deshalb das Ziel, einen wissenschaftlichen Artikel so zusammenzufassen, dass das Exzerpt jene Information enthält, die zur Bearbeitung der eigenen Fragestellungen genutzt werden kann. Letztendlich soll das Exzerpt den Artikel beim eigentlichen Verfassen der wissenschaftlichen Arbeit ersetzen können.

Eine allgemein gültige Längenangabe für Exzerpte ist deshalb nicht möglich. Bei sehr fokussierten Fragestellungen oder Artikeln, die den eigenen Forschungsbereich nur am Rande berühren, kann ein Exzerpt wenige Zeilen lang sein, bei Artikeln, die über Arbeiten nahe der eigenen Forschungsfragen berichten, kann ein Exzerpt auch länger sein und einige Seiten umfassen.

Vorgehen beim Exzerpieren

Der Schlüssel zum Erfolg beim Verfassen eines Exzerpts liegt in der Formulierung möglichst klar beantwortbarer Fragen an den jeweils exzerpierten Text. Wenn diese Fragen explizit und eindeutig formuliert werden, kann im Quelltext zielgerichtet nach der jeweiligen Information gesucht werden. Ein mögliches und zulässiges Ergebnis ist hier im Übrigen, dass der Quelltext zu einer bestimmten Frage keine Aussage trifft. Auch diese Erkenntnis kann beim späteren Verfassen der eigenen wissenschaftlichen Arbeit sinnvoll eingesetzt werden.

Wenn wir nun die oben als Beispiel angeführte Fragestellung

„Welche Möglichkeiten zur Beurteilung der Benutzbarkeit von Authentifizierungsmechanismen in sicheren Instant Messaging Systemen wie X und Y gibt es?“.

als Grundlage unserer Exzerpierungs-Fragen heranziehen, müssen wir bei deren Formulierung bedenken, dass wir bei der Literatursuche bereits Artikel ausgewählt haben, die grundsätzlich relevant erschienen sind, also augenscheinlich Antworten auf unsere Fragestellung liefern könnten. Die Exzerpierungs-Fragen sollen nun so formuliert werden, dass sie jene Informationen umfassen, die die spätere Beantwortung der Fragestellung in der eigentlichen Arbeit ermöglichen. Konkrete Exzerpierungs-Fragen könnten also sein:

„Welche Authentifizierungsmechanismen für sicheres Instant Messaging nennt der Text?“

„Welche Methoden zur Beurteilung der Benutzbarkeit wurden verwendet?“

„Welche Ergebnisse nennt der Text hinsichtlich der Benutzbarkeit der behandelten Authentifizierungsmechanismen?“

An dieser Stelle ist es wichtig, anzumerken, dass nicht notwendigerweise ein Satz an Fragen für alle auszuwertenden Artikel zur Anwendung kommt. Vielmehr sind die Fragen für den jeweiligen Untersuchungsgegenstand zusammenzustellen – wenn die eigene Fragestellung so breit ist, dass sie in mehreren Schritten bearbeitet werden muss, werden auch unterschiedlich fokussierte Exzerpte benötigt werden. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, für einen Quelltext unterschiedliche Exzerpte anzufertigen, die auf den jeweiligen Untersuchungsfokus abgestimmt sind.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, Fragen zu formulieren, die über den Kernbereich der eigenen Fragestellung hinausgehen. Etwa

„Nennt der Text neben der Benutzbarkeit weitere Einflussfaktoren auf die Akzeptanz eines Authentifizierungsmechanismus?“

Bei der Ausarbeitung eines Exzerpts ist es sinnvoll, die formulierten Fragen direkt zu beantworten. Die Aufbereitung ist Gegenstand des nächsten Abschnitts.

Aufbereitung eines Exzerpts

Ein Exzerpt sollte strukturiert anhand der betrachteten Fragen aufgebaut sein. Sinnvoll ist es hier, jeder Fragen einen explizit (etwa durch eine separate Überschrift) gekennzeichneten Abschnitt zu widmen. Zusätzlich enthält das Exzerpt einen Kopfbereich, in dem der Titel des Artikels, sowie idealerweise die volle Referenz angeführt sind. Wenn der Quelltext nicht ohnehin digital vorliegt, ist es sinnvoll, hier auch noch die Bezugsmöglichkeit anzuführen, um — falls notwendig — nochmals auf die ursprüngliche Quelle zurückgreifen zu können. Da zwischen der Exzerpierung und dem Verfassen der eigentlichen Arbeit durchaus einige Zeit vergehen kann, ist das Verschriftlichen dieser Information anzuraten.

Beim Exzerpieren selbst dürfen durchaus Teile des Originaltextes in das Exzerpt wörtlich übernommen werden. Wichtig ist es aber, diese wörtliche übernommenen Teile zu kennzeichnen, da bei der späteren Übernahme der Inhalte in die eigentliche wissenschaftliche Arbeit wörtliche Zitate explizit gekennzeichnet werden müssen. Eine Kennzeichnung erfolgt üblicherweise durch Anführungszeichen oder kursiven Textsatz. Bei längeren Passagen kann auch eine Einrückung der übernommenen Teile dabei helfen, deren Beginn und Ende klar zu erkennen. In jedem Fall sollte bei wörtlicher Übernahme eines Textteils die Seitenzahl im Quelltext mit vermerkt werden, da diese Information für etwaige spätere wörtliche Zitate notwendig ist.

Generell sollte aber eine Übernahme von Originalstellen eher sparsam erfolgen, das für die spätere Verwendung eine Aufbereitung der Inhalte im Sinne der eigenen Fragestellung zumeist ohnehin notwendig sein wird. Ob diese Umformulierung bereits beim Exzerpieren vorgenommen wird oder erst im Rahmen der Zusammenführung der Inhalte, ist individuell unterschiedlich. Vor allem für den Fall, dass die Originalquelle nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, ist ein unmittelbares Verfassen eigener Exzerpttexte (ggf. in Kombination mit zusätzlicher wörtlicher Archivierung der jeweils verwendeten Passagen) aber anzuraten. Als Zwischenschritt ist manchmal — vor allem bei permanenter Verfügbarkeit des Quelltextes — ein farbiges Markieren etwaiger relevanter Stellen hilfreich. Ein farblich markierter Quelltext stellt aber noch kein Exzerpt dar, da die strukturierte Darstellung der Inhalte im Sinne der formulierten Fragen fehlt.