Literatursuche

Bis vor einigen Jahren nahm die Schulung von Techniken zur Literatursuche und der korrekten Bedienung der beteiligten Werkzeuge und Datenbanken den Großteil einer Schulung in den grundlegenden Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens ein. Während sich an der grundlegende Wichtigkeit dieser Werkzeuge nichts geändert hat und auch deren Bedienung nicht wesentlich einfacher geworden ist, hat sich doch der Prozess der Suche mit der Einführung von mächtigen Literatur-Suchmaschinen grundlegend verändert.

Das Ziel dieses Abschnitts ist es einerseits, einen Überblick über den Prozess einer Recherche zu geben, die einen raschen Überblick über ein Thema ermöglicht. Andererseits sollen auch die Werkzeuge vorgestellt werden, die eine tiefgehende, umfassende Literatursuche ermöglichen.

Grundlegende Suchstrategien

Grundsätzlich sind drei verschiedene Suchstrategien zu unterscheiden, die üblicherweise in Kombination angewandt werden.

Eine Stichwortsuche wird mittels einer Suchmaschine durchgeführt, die die angeführten Stichwörter in ihrer Datenbasis sucht und Einträge zurück gibt, die hinsichtlich dieser Stichwörter relevant erscheinen. Sie ist der gängigste Mechanismus, sich in einem Feld zu orientieren und relevante Arbeiten aufzufinden. Einer Stichwortsuche können unterschiedliche Datenbasen und unterschiedliche Suchalgorithmen zu Grunde liegen. Die gängigsten Ausprägungen werden in den folgenden Abschnitten näher beschrieben. Zuvor soll aber noch auf die anderen beiden Strategien eingegangen werden, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf.

Eine Rückwärtssuche führt man durch, wenn man ausgehend von einer bekannten Literaturquelle in der Vergangenheit nach weiteren relevanten Arbeiten sucht. Dabei geht man vom Quellenverzeichnis der bekannten Arbeit aus. Die Rückwärtssuche beruht auf der Annahme, das wissenschaftliche Arbeiten den jeweils zum Zeitpunkt ihrer Erstellung aktuellen Stand der Forschung aufgreifen und beschreiben. Wie im Abschnitt „Related Work“ beschrieben, ist dies eine wesentliche Komponente einer wissenschaftlichen Arbeit, die zur Beurteilung ihres Beitrags zum Stand der Forschung notwendig ist. Ausgehend von dieser Hypothese kann man in der Liste der Quellen, die in der bekannten Arbeit verwendet werden, nach möglicherweise für die eigene Fragestellung relevanten Arbeiten suchen. Dabei muss die Relevanz dieser weiterführenden Quellen anhand des Titels bzw. in einer ersten Kurzrecherche anhand des Abstracts beurteilt werden. Es ist sinnvoll, die Rückwärtssuche nicht nur über eine Generation durchzuführen, sondern mehrere Schritte in die Vergangenheit zu gehen. Oft können auf diese Weise die für ein Forschungsgebiet grundlegenden Arbeiten identifiziert werden, auf die immer wieder Bezug genommen wird. Diese Art der Suche wird in den letzten Jahren durch die Angabe von DOIs (Digital Object Identifier) im Quellenverzeichnis wesentlich erleichtert. Vielen wissenschaftlichen Artikeln wird von den herausgebenden Verlagen ein eindeutiger DOI zugewiesen. Über einen Resolver-Dienst (https://doi.org) kann mittels dieser DOI auf die Web-Page zugegriffen werden, die diesen Artikel beschreibt (und damit einfachen Zugriff auf den Abstract erlaubt sowie ggf. bei entsprechende Berechtigung auch dessen Volltext zum Download bereitstellt).

Eine Vorwärtssuche ist das Gegenstück zur Rückwärtssuche und dient dementsprechend dazu, nach neueren Artikeln zu einer bekannten Referenzquelle zu suchen. Als Datenbasis dienen dabei die Quellenverzeichnisse von Artikeln, von denen jene als relevant erachtet werden, in denen die Referenzquelle angeführt ist. Es ist naheliegend, dass im Gegensatz zur Rückwärtsuche in diesem Fall technische Unterstützung notwendig ist. Mehrere große Anbieter von Suchmaschinen zu wissenschaftlicher Literatur bieten einen derartigen Dienst an. Üblicherweise wird dies durch einen Link mit einem Titel wie „zitiert von“ bzw. „cited by“ angezeigt, der auf eine Seite verweist, auf der die jeweils auf den Quellartikel bezugnehmenden Arbeiten gelistet sind. Mittels einer Vorwärtssuche kann einerseits erhoben werden, ob zu einem bestimmten Forschungsvorhaben neuere Artikel existieren, als jener der als Referenzquelle dient. Andererseits können so auch die Arbeiten anderer Autoren gefunden werden, die sich ähnlichen Fragestellungen widmen und dabei auf die Referenzquelle als Basis oder verwandte Arbeit Bezug nehmen. Auch hier kann es sinnvoll sein, nicht nur eine Generation in die Zukunft zu suchen, sondern über mehrere Sprünge hinweg soweit in die Zukunft zu suchen, bis keine relevanten Ergebnisse mehr auftreten oder bis man in der Gegenwart angelangt ist.

Eine Kombination aus diesen drei Ansätzen erlaubt es, die Literatur zu einem Thema zu explorieren, relevante Literatur Quellen für die eigene Fragestellung zu identifizieren, und diese in Abgrenzung zum aktuellen Stand der Forschung zu schärfen. Der kritische Punkt in diesem Prozess ist aber der Einstieg. Ohne zumindest eine für die Fragestellung relevante Literaturquelle kann keine Vorwärts- oder Rückwärtssuche stattfinden. Ist diese Quelle noch nicht vorhanden, muss sie mittels einer Stichwortsuche identifiziert werden. Um nicht nur irgendeine vielleicht relevante Quelle zu finden, sondern möglichst gezielt Startpunkte für weiterführende Suchen identifizieren zu können, ist die Wahl des Suchvokabulars ein hochrelevante und gleichzeitig anspruchsvoller Schritt.

Das Suchvokabular – der Schlüssel zum Erfolg

Das Suchvokabukar umfasst jene Stichwörter, mit denen in Literatursuchmaschinen versucht wird, relevante Quellen aufzufinden. Es muss vor Beginn der Suche festgelegt werden, und wird während der Suche ständig weiter entwickelt. Dabei können Stichwörter hinzugefügt, verändert, oder verworfen werden – es ist niemals im Vorfeld abzuschätzen, welche Stichwörter tatsächlich zum Erfolg führen werden.

Der Ausgangspunkt für das Festlegen des Suchvokabulars ist die vollständig ausformulierte Fragestellung der Arbeit. Entfernt man aus dieser Frage-, Binde-, und Füllwörter, so ergibt das einen ersten Ansatzpunkt für die Formulierung des Suchvokabulars. Falls die Fragestellung in Deutsch formuliert wurde, so ist es im naturwissenschaftlich-technischen Bereich sinnvoll, englische Begriffe zu identifizieren und diese als Grundlage der Suche heranzuziehen. Dieser Schritt ist nicht unproblematisch, weil fachspezifisches Vokabular oft nicht eindeutig übersetzbar ist oder mehrere Kandidaten infrage kommen. Hier kann nur mit testweisem Suchen die inhaltlich korrekte Übersetzung identifiziert werden.

Mit Kombination in der identifizierten Begriffe kann nun, wie im nächsten Abschnitt beschrieben, eine erste Suche durchgeführt werden. Führt diese bereits zu relevanten Ergebnissen, kann vorerst mit dem Suchvokabukar weiter gearbeitet werden. Falls keine relevanten Ergebnisse gefunden werden, ist das Suchvokabular entweder falsch gewählt, oder zu spezifisch. In beiden fällen muss versucht werden, ausgehend vom ursprünglichen Suchvokabular allgemeinere, übergeordnete Begriffe zu identifizieren, die das beforschte Feld breiter abdecken und so möglicherweise zu Ansatzpunkten für die Identifikation von Quellen führen, die für das eigentlich gesuchte Thema relevant sind.

Sobald erste relevanten Quellen identifiziert werden konnten, ist es ratsam die bei diesen angeführten Keywords sowie die Abstracts auf möglicherweise relevante weitere Begriffe zu untersuchen und das Suchvokabular entsprechend zu erweitern oder zu modifizieren. Auch Artikel, die im Rahmen einer Rückwärts- oder Vorwärtssuche identifiziert wurden, sollten in die Überarbeitung des Suchvokabulars mit eingehen. Der gesamte Suchprozess ist also iterativ, die unterschiedlichen Suchstrategien müssen im Allgemeinen mehrfach kombiniert durchgeführt werden.

Eine weitere Quelle für möglicherweise relevantes Suchvokabular Sind die verwalteten Schlagwortkataloge von Literaturdatenbanken. Dort werden die in einem Feld relevanten Begriffe gesammelt und zueinander in Beziehung gesetzt. Damit kann über die Begrifflichkeit eines Fachgebiets nach Synonymen, allgemeineren, oder spezifischeren Begriffe durchsucht werden. Die Verwendung dieser Kataloge ist im über nächsten Abschnitt beschrieben.

Literatursuche mittels Suchmaschienen

Die Verfügbarkeit moderner Suchmaschinentechologie für wissenschaftliche Literatur hat den Rechercheprozess grundlegend verändert und einfacher gemacht. Dies gilt vor allem für Fachgebiete, in denen es bereits eine etablierte Kultur der digitalen Publikation von wissenschaftlichen Artikeln gibt – dies ist im für uns relevanten technisch-wissenschaftlichen Bereich der Fall, die Betriebswirtschaft hängt hier wie alle Sozialwissenschaften vor allem bei der Verfügbarkeit historischer Literatur (das heißt mit einem Erscheinungsdatum vor den 1990-Jahren) hinterher.

Suchmaschinen für wissenschaftliche Literatur zeichnen sich dadurch aus, das sie Datenquellen indizieren, die wissenschaftliche Literatur zur Verfügung stellen und sich vor allem auf diese beschränken. Diese Quellen sind vor allem digitale Bibliotheken der Verlage, die wissenschaftliche Literatur veröffentlichen, aber auch Websites, die Literatur katalogisieren oder auf der Forschende ihre Arbeiten in frühen Versionen selbst bereit stellen. Durch die Beschränkung auf wissenschaftliche Literatur können Suchmaschinen zusätzliche Metadaten ausgewerteten und bereits stellen, die dabei helfen, die Relevanz und Qualität der gefundenen Literatur zu beurteilen. Dies inkludiert etwa das Erscheinungsjahr, das Publikationsorgan, die Autoren oder auch wie oft der gegenständliche Artikel in anderen Arbeiten zitiert wurde.

Die verbreitetste Suchmaschine für wissenschaftliche Literatur ist Google Scholar. Ausgestattet mit dem von Google gewohnten einzeiligen Suchinterface ermöglicht sie einen niederschwelligen Einstieg in die Literaturrecherche. Google Scholar indiziert nicht nur eine Vielzahl von Datenbanken und Bibliotheken, es bietet Autoren auch die Möglichkeit, Statistiken über die eigenen Artikel abzurufen und die. Information in Teilen zu warten. Aufgrund der hohen Verbreitung haben die von Google Scholar berechneten Metriken für die Wahrnehmung eines Autors in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht unbeträchtliche Akzeptanz und Relevanz erhalten. Aufgrund dessen widmen sich viele Autoren der manuellen Wartung ihrer Daten auf Google Scholar, was deren Relevanz weiter erhöht.

Auf Basis der extrahierten Metadaten über wissenschaftliche Publikationen bietet Google Scholar auch einige Funktionen an, die die Arbeit mit gefundener Literatur erleichtern. Zum ersten wird neben einem gefundenen Datensatz ein Link zu einer Volltextversion des Artikels angezeigt, sofern dieser vorhanden ist. Sind mehrere Versionen des Volltextes vorhanden, wird jener angezeigt, der einen kostenfreien Download (etwa über die Website des Autors) ermöglicht. Zum zweiten generiert Google Scholar Datensätze zu den gefundenen Publikationen, die in Literaturverwaltungsprogramme importiert werden können. Das erleichtert die weitere Arbeit mit Literaturquellen wesentlich, wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden. Zum dritten bietet Google Scholar eine integrierte Literaturverwaltung, sofern mit einem aktiven Google Konto gesucht wird. Dies ermöglicht nicht nur die einfache Archivierung der gefundenen Artikel, sondern bietet auch eine Funktion, mit der fertig formatierte Literaturreferenzen nach den gängigsten Zitierstandards generiert und mittels Copy/Paste weiter verwendet werden können.

Am Markt gibt es noch weitere Literatur-Suchmaschinen, die nicht an die Datenbasis eines einzelnen Anbieters gebunden sind. In der Tradition klassischer Suchmaschinen steht noch Microsoft Academic Search. Daneben gibt es Anbieter, deren Geschäftsmodell das Anbieten von Suchdiensten zu wissenschaftlicher Literatur ist. Dazu zählen als Bespiele das ISI Web of Knowledge (kostenpflichtig, aber qualitätsgesicherte Quellen) oder der ACM Guide (kostenfrei durchsuchbar, Fokus auf Informatik).

Literaturdatenbanken

Neben Suchmaschinen gibt es weitere Recherchemöglichkeiten, die unabhängig von Verlagen sind und damit nicht von vorne herein auf einen bestimmten Satz an Publikationsmedien beschränkt sind. Literaturdatenbanken sammeln die Referenzen auf wissenschaftliche Literatur eines bestimmten Fachgebiets und katalogisieren diese in einer Form, die einen Mehrwert bei der Suche bietet. Der Zugriff auf Literaturdatenbanken ist üblicherweise kostenpflichtig, was im redaktionellen Aufwand bei der Pflege der Datenbasis begründet liegt. In Literaturdatenbanken wird jeder Artikel von Domänenexperten mit Schlagworten versehen, die ihn auch dann auffindbar machen sollen, wenn weder Titel, Keywords oder Abstract auf eine Relevanz für ein bestimmtes Themenfeld hinweisen würden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen den üblicherweise von den Autoren vergebenen Keywords und Schlagwörtern, die einem von der jeweiligen Literaturdatenbank verwalteten Vokabular entnommen werden und von Personal des Datenbankanbieters zugewiesen werden. Das Vokabular wird in einem Schlagwortkatalog (auch: Thesaurus) verwaltet, in dem es nicht bloß gesammelt, sondern auch untereinander in Beziehung gesetzt wird. So werden zu einem Begriff üblicherweise Synonyme, sowie breitere und engere Begriffe verknüpft und die zeitliche Historie des Begriffs in der Datenbank (z.B. über den Zeitpunkt der Einführung) angegeben. Der Schlagwortkatalog wird nicht unreflektiert erweitert oder verändert und unterliegt üblicherweise einer redaktionellen Verwaltung.

Mittels Schlagwortsuche können nicht nur Artikel aufgefunden werden, deren Relevanz für ein Thema nicht aus dessen sonstigen Metadaten ersichtlich ist, der Schlagwortkatalog kann auch dazu verwendet werden, das Vokabular eines Forschungsgebiets zu explorieren und so das eigene Suchvokabular zu schärfen.

Zusätzlich bieten Literaturdatenbanken üblicherweise mächtigere Suchmöglichkeiten als die oben beschriebenen Suchmaschinen. So kann die Suche explizit auf einzelne Felder der Metadaten eingeschränkt werden (etwa auf Suche nach Autorennamen, Suche in Titeln, Suche nach bestimmen Erscheinungsjahren, …). Suchelemente können auch beliebig mittels logischer Operatoren miteinander kombiniert werden, so dass komplexe Datenbankabfragen möglich werden. Möchte man zum Beispiel nach den Artikeln suchen, die von Stefan Oppl in den Jahren 2012 bis 2015 geschrieben hat und deren Titel die Worte “Articulation” oder “Elicitation” enthalten, so könnte (abhängig von der Datenbank) eine Suchanfrage etwa so aussehen:

AU="Oppl" and YEAR>=2012 and YEAR<=2015 and (TI="*Articulation*" or TI="*Elicitation*)

Literaturdatenbanken sind in der Informatik eher selten anzutreffen, habe aber große Bedeutung in anderen Disziplinen wie der Psychology (z.B. PsycInfo), der Soziologie (z.B. SocIndex), den Wirtschaftswissenschaften (z.B. EconLit) oder den Naturwissenschaften (z.B. INSPEC).

Beurteilung der Relevanz von Literaturquellen

Unabhängig davon, auf welchem Weg Literatur gesucht wurde, muss für die gefundenen Ergebnisse deren Relevanz für die jeweilige Fragestellung bewertet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass in der weiteren Bearbeitung der Fragestellung effektiv (im Sinne der Beiträge der identifizierten Literatur zur Beantwortung der Fragestellung) und effizient (im Sinne des Aufwandes zur detaillierten Auswertung der tatsächlich relevanten Artikel) vorgegangen werden kann.

Die Beurteilung der Relevanz eines Artikels wird üblicherweise mehrstufig durchgeführt. Diese Stufen orientieren sich an den verfügbaren Informationsmengen der jeweiligen Darstellungsform der Artikel im Prozess der Suche.

Im ersten Schritt wird eine Vorauswahl in der Ergebnisliste der Literatursuche getroffen. Dabei sind im Normalfall der Titel des Artikels, die Namen der Autoren, das Erscheinungsjahr, sowie u.U. das Publikationsorgan sichtbar. Auf Basis dieser Information muss eine Vorauswahl getroffen werden, die sich vor allem am Titel und – sofern ein gewisser Überblick über das Forschungsfelder gegeben ist – an den Autoren orientieren wird. In dieser Stufe werden Artikel im Zweifel eher nicht verworfen sondern weiter untersucht.

Im zweiten Schritt wird in der Detailansicht der jeweiligen Artikel deren Relevanz anhand der dort üblicherweise verfügbaren Keywords und Abstracts beurteilt. Anhand des Abstracts kann die potentielle Relevanz eines Artikels bereits gut eingeschätzt werden, wenn er hinsichtlich möglicher Beiträge zur Beantwortung der Fragestellung untersucht wird.

Ob ein Artikel für eine bestimmte Fragestellung tatsächlich relevant ist, kann erst im dritten Schritt bei der Auswertung des vollständigen Textes beurteilt werden. Da dies aufwändig ist und u.U. auch Kosten verursacht, müssen die so untersuchten Artikel im vorhergehenden Schritt sorgfältig ausgewählt werden. Die strukturierte Auswertung anhand der Fragestellung der als relevant identifizierten Artikel wird Abschnitt „Exzerpieren“ näher behandelt.

Dokumentation der Suche

Wie bereits mehrfach erwähnt, ist die Nachvollziehbarkeit des Erkenntnisprozesses eine wesentliches Qualitätsmerkmal für wissenschaftliche Artikel. Bei Arbeiten, deren Beitrag in der Aufarbeitung und der strukturierten Gegenüberstellung des Standes der Forschung liegt, ist die Dokumentation des Suchprozesses deshalb ein wichtiger Bestandteil. Im Artikel selbst ist dieser zumeist kompakt beschrieben, um diese Beschreibung aber korrekt erstellen zu können, ist es sinnvoll, des Suchprozess während seiner Durchführung zu protokollieren. Dies beschränkt sich nicht nur auf die gefundenen Ergebnisse, sondern solle folgende Information umfassen:

Als erste Komponente sollte das Suchvokabular dokumentiert werden. Dabei sollte dessen Evolution nachvollziehbar dokumentiert werden, idealerweise unter Angabe der Gründe der jeweiligen Modifikation.

Die zweite Komponente führt die verwendeten Suchmaschinen und Datenbanken an und gibt zu jeder die dort durchgeführten Suchen an. Diese werden üblicherweise tabellarisch angeführt, wobei jede Tabellenzeile den jeweils verwendeten Suchtext (d.h. die verwendete Kombination aus Suchbegriffen), die Anzahl der gefundenen Ergebnisse, sowie die Anzahl der initial als relevant erachteten Artikel anführt.

Die dritte Komponente führt die vollständigen Referenzdaten der im zweiten Schritt der Relevanzprüfung gewählten Artikel an. Zusätzlich wird der Abstract dokumentiert, ein Verweis auf den Suchvorgang, in dem der Artikel gefunden wurde, hinzugefügt und eine kurze Begründung der Auswahl angegeben (in 1-2 Sätzen).

Auf dieser Basis kann die identifizierte Literatur weiter bearbeitet werden, ohne dass Information über den Suchprozess verloren gehen kann. In Kombination mit dem Einsatz einer Software zur Literaturverwaltung ist damit die Grundlage für die erfolgreiche Aufarbeitung der identifizierten Quellen im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit gelegt.

Volltexte beziehen

Bislang haben wir ausschließlich die Suche von Literaturquellen behandelt, den Bezug der eigentlichen Arbeiten aber weitgehend ausgespart oder stillschweigend vorausgesetzt. Tatsächlich stellt aber der Bezug der Volltexte – egal ob in digitaler oder gedruckter Form – oft eine Herausforderung dar, die nicht unwesentliche organisatorische oder finanzielle Hürden mit sich bringt. Falls der Volltext nicht zufällig beim Einsatz einer Suchmaschine wie Google Scholar verlinkt ist (was in der Wirtschaftsinformatik und Informatik oft der Fall ist), muss der Volltext auf andere Weise bezogen werden. Die gängigsten Quellen dafür werden im Folgenden beschrieben.

Digitale Bibliotheken

Sollte der Volltext nicht direkt über eine Verlinkung beim Suchergebnis beziehbar sein, kann von dort aus üblicherweise auf die Webseite des Artikels in der digitalen Bibliothek des veröffentlichenden Verlags zugegriffen werden. Oft ist dort eine PDF-Version des Artikels beziehbar, grundsätzlich ist dies aber kostenpflichtig.

Universitätsbibliotheken schließen mit Verlagen deshalb oft Abo-Verträge ab, die den an der jeweiligen Institution tätigen Personen Zugriff auf die Volltexte der digitalen Bibliotheken oder Teilen davon gewähren. Die Identifikation erfolgt dabei oft über die IP-Adresse, so dass ein Zugriff aus dem Campus-Netzwerk notwendig ist. Teilweise werden auch Proxy-Dienste oder externe Authentifizierungsmechanismen genutzt, die einen Zugriff mittels Login auch von außerhalb des Campus-Netzwerks ermöglichen. Details sind üblicherweise auf der Website der jeweiligen Universitätsbibliothek zu finden.

Bestandskataloge

Falls eine digitale Version eines Artikels oder eines Buches nicht verfügbar oder nur kostenpflichtig beziehbar ist, ist es sinnvoll, nach dessen Verfügbarkeit in gedruckter Form zu suchen. Die wesentliche Quelle dafür sind Universitätsbibliotheken. Diese sammeln wissenschaftliche Literatur und stellen diese den Hochschulangehörigen zur Ansicht oder zur Leihe zur Verfügung. Welche Literatur an einer bestimmten Universität vorhanden ist, ist in deren Bestandskatalog verzeichnet, der heute üblicherweise in digitaler Form vorliegt.

Die Suche im Bestandskatalog unterscheidet sich nicht wesentlich von jener in Literaturdatenbanken. Zu beachten ist lediglich, dass bei wissenschaftlichen Artikeln nicht nach deren Titel, sondern nach dem Publikationsorgan gesucht werden muss, in dem der Artikel erschienen ist. Bei einem Zeitschriftenartikel ist also beispielsweise nach dem Titel der Zeitschrift in Kombination mit dem jeweiligen Jahrgang (Volume) und Ausgabe (Number) zu suchen.

Die zu einer Publikation verfügbaren Daten unterscheiden sich jedoch wesentlich von jenen in einer Literaturdatenbank. Zu jeder Publikation ist vorrangig angeführt, wo diese örtlich verfügbar ist. Dafür gibt es im Allgemeinen drei Parameter. Der Standort gibt an, in welcher Teilbibliothek die Publikation verfügbar ist. Universitätsbibliothek besitzen üblicherweise mehrere Außenstellen, an denen Fachliteratur für die Disziplinen der in der Nähe befindlichen Organisationseinheiten verwaltet werden. Der Standort führt an, an welcher Außenstelle oder in welchen Bereich der jeweiligen Hauptbibliothek eine Publikation verfügbar ist. Die Systematik einer Publikation dient deren Lokalisierung innerhalb eines Standortes. Die Systematik ist üblicherweise eine Zahlenkombination, die auf ein Regal oder Teil davon verweist. Dazu existiert üblicherweise ein Übersichtsplan, außerdem sind die in einem Regal aufgestellten Systematiken an deren Stirnseiten angeführt. Sobald das korrekte Regal gefunden wurde kommt die Signatur zum Einsatz. Die Signatur ist die Buchstaben- und Zahlenkombination, die am Buchrücken angebracht ist und die jeweilige Publikation eindeutig identifiziert. Im Fall von Zeitschriften ist üblicherweise ein kompletter Jahrgang unter einer Signatur zusammengefasst, der jeweilige Artikel muss dann noch in der Publikation gesucht werden.

Falls eine Publikation an einem Standort nicht verfügbar ist, kann in den Katalogen von Bibliotheksverbünden gesucht werden. Diese Kataloge enthalten die Bestände aller angeschlossenen Bibliotheken. Für Österreich gibt es z.B. die Verbundkataloge, der die Bestände der Bibliotheken aller österreichischen Universitäten enthält. Innerhalb eines Bibliotheksverbundes ist üblicherweise eine Fernleihe möglich. Dabei kann eine Publikation, die in einer anderen Bibliothek verfügbar ist, kostenfrei oder gegen ein geringes Entgelt angefordert werden. Der Versand erfolgt postalisch an die Heimatbibliothek, die dann die Ausleihe vornimmt oder die Publikation zur Einsichtnahme zur Verfügung stellt.

Als weitere Alternative bietet sich die Nutzung von Dokumentenlieferdiensten an. Auch diese ermöglichen den Zugriff auf den Bestand entfernter Bibliotheken, wobei das abgedeckt geographische Gebiet üblicherweise weiter gestreut ist als bei Bibliotheksverbünden. Die Lieferung erfolgt im Falle eines Dokumentenlieferdienstes nicht als Gesamtpublikation im Original, sondern als Kopie des jeweils angeforderten Artikels oder Buchkapitels. Die Auslieferung erfolgt als physische oder digitale Kopie, wobei ein Entgelt für deren Anfertigung und den Versand zu entrichten ist. Ein Beispiel für einen Dokumentenlieferdienst ist Subito, an das Bibliotheken im gesamten deutschsprachigen Raum angeschlossen sind.

Der Vollständigkeit halber sei angeführt, dass die Suche in einem Bestandskatalog eine umfassende Literaturrecherche nicht ersetzen kann. Der Bestandskatalog enthält immer nur die an einem Standort verfügbare Literatur und wird deshalb im Allgemeinen nie zu umfassenden Ergebnissen führen.

Andere Bezugsquellen für Volltexte

Durch die Möglichkeit, als Forschender im WWW auch eigenständig Inhalte zu veröffentlichen, haben sich neben den digitalen Bibliotheken der Verlage noch weitere Möglichkeiten etabliert, die Volltexte von Artikeln zu beziehen. Über einige gängige Wege soll hier noch abschließend ein Überblick gegeben werden. Vorausschickend ist wichtig zu verstehen, dass Autoren im Zuge der Veröffentlichung eines Artikels üblicherweise ihr Copyright an den jeweiligen Verlag abtreten. Damit verlieren Sie die Publikationsrechte am eigenen Artikel und dürfen diesen nur bei Duldung durch den Verlag zugänglich machen. Die jeweiligen Regelungen unterscheiden sich stark zwischen den Verlagen und sind nicht immer einfach zu durchdringen (siehe dazu auch die RoMEO-Datenbank, die die Richtlinien von Zeitschriften sammelt und aufbereitet). Aus Konsumentensicht ist wichtig, dass oft nicht die finale Version des Artikels veröffentlicht werden darf. Autoren dürfen aber üblicherweise frühere Versionen online stellen, die sich manchmal nur durch die Formatierung von der finalen Version unterschieden, manchmal aber auch noch die Version vor der Einarbeitung der Gutachterkommentare darstellen. Es ist also nicht garantiert, dass bei der Verwendung einer derartigen Version tatsächlich auf die endgültigen Formulierungen Bezug genommen wird.

Der gängigste Weg, eine Publikation online zur Verfügung zu stellen, ist das sogenannte Self-Archival. Darunter versteht man das Veröffentlichen eines Artikels auf einer eigenen Website, in institutionellen Repositories (d.h. in Ablagesystemen von Universitäten oder Fördergebern) oder auf Websites von Drittanbietern, die sich der Sammlung wissenschaftlicher Literatur verschrieben haben (Beispiele hierfür sind CiteSeer, Academia.edu oder ResearchGate). Literatursuchmaschinen wie Google Scholar greifen auf derartige Quellen zu, um die Volltexte eines Artikels direkt zu den Suchergebnissen zu verlinken.

In vielen wissenschaftlichen Disziplinen, vor allem in den Naturwissenschaften, haben sich sogenannte Preprint-Repositories etabliert, auf denen wissenschaftliche Artikel bereits in frühen Versionen veröffentlicht werden, um der wissenschaftlichen Community rasch Zugriff auf neue Erkenntnisse zu ermöglichen und gleichzeitig deren Feedback noch außerhalb des klassischen Review-Prozesses einzuholen. Es ist üblich, dass mehrere Versionen eines Artikels auf dem Preprint-Server bereit gestellt werden, bevor er zur traditionellen Publikation bei einer Zeitschrift eingereicht wird, wo er den üblichen Begutachtungsprozess durchläuft. Die Vorversionen bleiben aber verfügbar und sind üblicherweise mit der endgültig publizierten Version, so bereits verfügbar, verknüpft. Das etablierteste Preprint-Repository ist Arxiv, in dem vor allem naturwissenschaftliche und technische Artikel bereitgestellt werden.

Als letzter Weg zum Bezug eines Artikels bietet sich die direkte Anfrage bei den Autoren mit der Bitte um Übermittlung einer (digitalen) Kopie des Artikels an. Dies ist durchaus üblich und verletzt aufgrund der gezielten Übermittlung auch nicht das Copyright des veröffentlichenden Verlages. Aufgrund der allgegenwärtigen eMail-Flut sind längere Reaktionszeiten oder die Ignoranz einer Anfrage allerdings nicht selten. In den letzten Jahren haben sich auch soziale Netzwerke für WissenschafterInnen etabliert, in denen üblicherweise ebenfalls Anfragen nach Volltexten von Artikeln abgesetzt werden können, und über die auch die Beantwortung derartiger Anfragen einfach abgewickelt werden kann. Beispiele für für derartige Netzwerke sind ResearchGate und Academia.edu.